Senf dazu – ein Virus geht um

3 Monate keinen Beitrag – tödlich für ein Blog. Zum Glück verdiene ich damit nicht mein Geld. Zum Glück gibt es gerade ein Thema, wo jeder was zu sagen kann – warum soll ich mich da zurückhalten… Worum es geht? Ein Virus – muß ich wohl nicht wirklich sagen – oder? ;-)

Mit fällt wirklich nichts anderes ein, also lege ich hier mal kurz meine Sicht der Dinge dar. Angeblich sollen gerade ja viele Menschen Zeit zum Lesen haben. Was soll ich sonst auch schreiben? Um diese Zeit habe ich sonst gelegentlich einen Überblick über die nächsten Termine gegeben – das scheint mir momentan aber ein wenig sinnlos.

Nehme ich das Ganze ernst? Ein bisschen schon. Habe ich gehamstert? Nun, ich war vor wenigen Tagen bei einem Discounter – habe mir eine Lampe geholt, da kann ich nie widerstehen. Somit finde ich die Nudeln (die ich meist im Haushalt habe) auch im Dunkeln…

Vor einigen Wochen hieß es noch, alles nicht so schlimm, es ist kaum mehr als eine Grippe. Mittlerweile hat man wohl doch in den Krisenmodus geschaltet: Veranstaltungen werden abgesagt, Schulen und Kindergärten geschlossen. Das Schöne in Deutschland: es gibt dazu ja immer wieder neue Meldungen – aus jedem Bundesland einzeln, als hätte man es nicht mit einem Virus, sondern mit 16 verschiedenen Viren zu tun, mit unterschiedlichem Gefährdungspotential. Klare Linie? Fehlanzeige, wenn es die z.B. nicht bei der Kitabetreuung oder beim Schulsystem gibt, warum dann bei Epidemien?

Die beschlossenen Maßnahmen reichen derzeit ja von Änderungen beim Kurzarbeitergeld über Aufhebung von Sonntagsfahrverbot für LKW, Aufhebung des Nachtflugverbots an manchen(allen?) Flughäfen bis zu Grenzschließungen/Grenzkontrollen. Da bekommt man sicher nicht alles mit, was so passiert.

Fühle ich mich bedroht? Eigentlich nicht – wenn auch die letzten Tage mit den immer neuen Verschärfungen schon ein wenig komisch waren. Noch mache ich Witze über Hamsterkäufe – aber wer weiß, vielleicht lachen die Hamsterkäufer ja als Letzte? Hinterher ist man immer schlauer. Ich muß zugeben: ein paar Leute in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis gehören doch den Risikogruppen an: vom Alter her, weil sie so schon Probleme mit der Lunge haben oder weil sie aufgrund von Chemo u.ä. bereits geschwächt sind. Da kommt man schon mal ins Überlegen. Bei einer Grippe gehören diese Personen allerdings auch zu den gefährdeten – Grippe interessiert nur überhaupt nicht zur Zeit.

Wenigstens wissen wir wer schuld ist: die Bundesregierung. Darauf kann man sich in Deutschland immer einigen – egal, welche Meinung man sonst hat. Aber Schuld woran? Während für die einen die Regierung schuld ist „wenn Oma und Opa sterben“ (Zitat aus einem Forum) weil die derzeitigen Maßnahmen zu spät ergriffen wurden, ist die Regierung für andere schuld daran, wenn der Industriestandort Deutschland aufgrund der getroffenen Maßnahmen jetzt zugrunde geht. Irgendwas ist ja immer.

Wir werden es erst hinterher wissen – und selbst dann nicht genau: ist es so schlimm gekommen, weil die Maßnahmen so spät kamen? Ist es aufgrund der Maßnahmen so glimpflich abgegangen oder wäre es auch ohne die getroffenen Maßnahmen so gekommen? Momentan scheinen mir die Schwarzseher die Oberhand zu gewinnen – ich will mir kein Urteil anmaßen. Da in den letzten Tagen die schlechten Nachrichten in der Mehrzahl waren, verlinke ich hier aber mal ein Interview mit einer emeritierten Virologin von der Universität Zürich, die den Virus (immer noch) für nicht so schlimm hält, wie die Panikmache (?)ringsherum. Das ist natürlich völlig subjektiv ausgewählt, von den Nachrichten, wie schlimm es alles wird, gibt es derzeit aber überall genug zu lesen, zu hören und zu sehen.

Erinnert sich noch jemand an die Schweingrippe? Zum Glück verlief diese letztlich glimpflicher als gedacht. Das Geld für viele der eilends bestellten Impfdosen („Tamiflu“) wurde „umsonst“ ausgegeben. Eine genaue Chronik der damaligen Ereignisse kann man hier nachlesen. Aber auch hier gilt: die Chronik wurde hinterher erstellt – und hinterher ist man bekanntlich immer klüger. Der „Spaß“ hat 330 Mio Euro gekostet. So viel Geld für nichts? Hätte man die Impfdosen gebraucht – wären 330 Mio Euro nicht ein durchaus angemessener Preis für 80 Mio Menschen? Ich behaupte, dass selbst für die 20% der Bevölkerung, die im Pandemiefall geimpft werden sollten, der Preis noch angemessen ist, wenn das Mittel wirklich nützt. Aber Deutschland ist da in guter Gesellschaft, auch in Ländern wie der Schweiz hat man damals Tamiflu angeschafft – für den Fall der Fälle.

Wer der werten Leser würde aktuell wie entscheiden? Abwarten und unter Umständen viele Leben gefährden? Drakonische Maßnahmen treffen, die u.U. den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden? Egal wie die Entscheidung ausfällt – hinterher, wenn wieder alle klüger sind, wird es so oder so Prügel geben. Zu früh, zu spät, zu viel, zu wenig – und überhaupt wird dann alles falsch gewesen sein.

Ach so, falls nicht die deutsche Regierung schuld ist, dann (zumindest international) evtl die Assassinen, die Illuminaten, die Bilderberger, NSA oder CIA, Außerirdische, die geheime Weltregierung, Rockefellers, die Weisen von Zion oder George Sorros…. – man suche sich das Passende aus… Es gibt für alles irgendwo im Internet einen Treffer. Da frage ich mich manchmal, warum man so oft von „Schwarmintelligenz“ spricht.

Dazu kommen noch aktuell angepaßte „Enkeltricks“ (Oma, ich brauche Geld für Medizin) oder Warnungen vor bestimmten Arzneimitteln, weil diese die Vermehrung des Virus angeblich fördern. Wenn die Uni, von der das angeblich stammt, sich davon distanziert, dann ist das natürlich nur ein Beweis dafür, dass das trotzdem stimmt. Weiter Falschmeldungen über reduzierte Öffnungszeiten der Supermärkte u.ä. – viel Müll ist in den (a-) sozialen Medien unterwegs.

Was hier vielleicht fehlt, wäre eine offizielle App, die über solches informiert. Klar, bei Katastrophen wie Blackouts ist eine solche App sinnlos. Bei Unwetterwarnungen, Epidemien kann man hierüber aber offizielle Nachrichten verteilen. Man soll auf den offiziellen Webseiten nachsehen….wie oldschool… Es gibt zwar Katwarn vom Fraunhofer-Institut – das beschränkt sich zur Zeit aber auf Wetterereignisse, Brände u.ä. Für Brandenburg gibt es BIWAPP (Dank an Ralf für den Link!) Beide Apps verbreiten lt. eigener Website nur offizielle Meldungen – allerdings finde ich da momentan nichts zum aktuellen Virus. Vielleicht habe ich etwas falsch eingestellt? Auch hier wieder: eine App für ein Bundesland, scheinbar nichts „Ganzes“. Und so werden sich auch weiterhin Falschmeldungen einfach „besser“ und schneller verbreiten da offizielle Informationsquellen nicht mit der technischen Entwicklung schritthalten.

Wie erwähnt, (noch) macht mir das Virus keine großen Sorgen, die Hamsterkäufe auch nicht, das ist irgendwie menschlich. Ein wenig beunruhigend finde ich, dass selbst in Kliniken der Mundschutz und Desinfektionsmittel knapp werden oder wurden. Es ist mir dabei auch völlig egal, ob oder wie das (privat) hilft – wenn aber bei einer wie auch immer (un-) gefährlichen (?), grippeähnlichen Epidemie schon solche Dinge in Krankenhäusern knapp werden – wie gut ist man denn wirklich vorbereitet? Sind die Lagerkosten so hoch, dass man daran gespart hat? Oder greift man irgendwelche Reserven nur noch nicht an? Pure Spekulation – wie so vieles zur Zeit.

Zurück zu den Problemen des Einzelnen, z.B.: was ist mit der Arbeit? Homeoffice – besonders für Leute im Einzelhandel die Lösung…. oder für Leute in Werkstätten, irgendwo am Fließband, auf’n Bau und natürlich bei Feuerwehr oder im Gesundheitswesen… Es gibt tatsächlich noch Berufe, wo etwas Physisches produziert oder bearbeitet wird – oder in denen man „vor Ort“ sein muß. Wer hätte das gedacht…. Dann: Kita und Schulen zu. Wohin mit den Kindern? Zu den Großeltern? So manchen wird wohl letztlich nichts anderes übrig bleiben, selbst wenn die Großeltern zur Risikogruppe gehören. Ich kenne einen Fall, da kommen die Kinder zunächst zu den Großeltern nach Berlin, dann zu denen westlich Berlins und dann wieder in unsere Gegend. Eine kleine Rundreise also, sie werden gleichmäßig verteilt – also die Kinder meine ich…

Es gibt zwar im Stundentakt neue Informationen – aber irgendwie oft nichts Konkretes. Seit Tagen höre ich aus Berlin und Brandenburg, dass es für Kinder, deren Eltern in kritischen Bereichen (Feuerwehr, Krankenhäuser, Strom- und Wasserversorgung u.ä.) arbeiten, eine Notfallversorgung geben wird. Keiner weiß derzeit aber, wie das aussehen soll. Am Montagmorgen ist dazu an der Kita zu lesen: Wie die Notfallbetreuung ausgestaltet wird und wer diese in Anspruch nehmen kann, wird im Laufe des Montags, den 16.03.2020mit den zuständigen Behörden abgestimmt.

Ganz ehrlich: ich hatte angenommen, dass dafür fertige Konzepte in der Schublade liegen. Im Krisenfall werden die dann ausgehangen und gut. Dass man sich scheinbar jetzt erst Gedanken macht, wer das in Anspruch nehmen kann und wie das ausgestaltet wird, das finde ich dann doch schon schwach.

So, geschafft, meine Gedanken zum Virus sind durch. Trotzdem wird mir gleich wieder einfallen, was ich anders schreiben oder noch erwähnen muss, sei’s drum. So viel Worte und ich habe nicht einmal den derzeitigen, offiziellen Namen des Virus benutzt geschrieben. ;-) Aber Namen sind eh Schall und Rauch und der Erreger hatte schon diverse Namen – da bleibe ich lieber bei „Virus“. Ich warte jetzt ab, was weiter passiert – was soll ich auch sonst tun? Wenn (hoffentlich bald) alles vorbei ist, dann werden wir wieder alle klüger sein und ganz genau wissen, wer was falsch gemacht hat und was wir auf jeden Fall besser gemacht hätten. Weil wir alle so verdammt schlau sind und uns auskennen….. Und jetzt: schön gesund bleiben!

Über dischue

"Chef" dieses Blog-chens hier und momentan fast einziger Verfasser der Artikel auf diesen Seiten, fleißiger Internetnutzer und für technische Spielereien aller Art zu haben... ;-)

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