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Liebe Eltern schämt Euch

Es mag Polemik sein, aber im Grunde stimmt die Überschrift schon: liebe Eltern schämt Euch! Seit Monaten und Jahren wird vor allem in den sozialen Medien über die Kitagebühren gemeckert, wie schlimm das doch ist, wie teuer. Entsprechende Beiträge bei Facebook werden hundert- und tausendfach „geliket“, entsprechende WhatsApp-Nachrichten hundertfach weitergeleitet. Die Eltern sind in Aufruhr, rebellieren – zumindest online.

Bei den Sitzungen der (Altlandsberger) Stadtverordneten zum Thema Kitagebühren waren dann schon eher wenig Eltern anwesend, im Prinzip kaum mehr, als die Elternvertreter der Kitas. Gut, es ist schon nicht ganz einfach die Zeit dafür zu finden, da habe ich Verständnis. Das ist nicht immer zu organisieren.

Dann wird es ernst und einige Eltern klagen. Selbst wenn eine Rechtsschutzversicherung dafür aufkommt (ich kenne mich da nicht aus) ist das immer noch mit erheblichem Zeitaufwand verbunden und dürfte die Nerven ziemlich beanspruchen. Ich kann verstehen, dass das nicht jedermanns Sache ist, und ich gestehe: wir haben auch nicht geklagt.

Einige der klagenden Eltern unterlagen nun vor Gericht (abhängig von Art und Ort der Klage), würden aber gern in die nächste Instanz gehen. Das kostet Geld. Deshalb gibt es den Spendenaufruf „Kampf für gerechte Elternbeiträge“ auf gofundme, in dem um Spenden gebeten wird. In grenzenloser Naivität habe ich angenommen, dass die ursprünglich geplanten 5500€ in wenigen Stunden erreicht sein werden. Es genügt ja, wenn 1100 Menschen je 5 € spenden. Wie habe ich mich geirrt! Nach ca. 48 Stunden, also 2 Tagen(!), haben gerademal 32 Personen gespendet! Sicher, da waren großzügige Spender dabei – aber 32 Leute? Was macht das für einen Eindruck? Und deshalb sage ich:

Liebe Eltern schämt Euch!

Klar, auch 5€ müssen erstmal verdient werden, aber wie schnell sind sie ausgegeben? Was bekommt man für 5€? Einen guten Döner, eine ganz billige Autowäsche. Oder etwa einen halben Kasten Bier. Für andere ist es ein Frühstück oder 2 Coffee to go. 5€ reichen nichtmal für eine Schachtel Zigaretten soweit ich weiß. Ein Monat Netflix oder Amazon Prime sind teurer als 5€. Also warum haben gerademal 32 Leute in Brandenburg ihren Hintern hochbekommen und etwas gespendet? Zeitgründe? Wohl kaum. Wer sich auf Whatsapp oder FB aufregen kann, hast auch die 3 Minuten für eine online-Überweisung. Geldsorgen? Kann ich wirklich nicht ausschließen – aber bei allen Brandenburger Eltern?

Online kann man sich so schön beschweren, man kann rummeckern und Facebook-Beiträge mal schnell „liken“ – und wenn es ernst wird? Aber sind 5 € wirklich schon „Ernst“? 32 Leute sind der Meinung, wenigstens einen finaziellen Beitrag zu leisten. Andere Eltern regen sich nur online auf, hätten von einem anderen Urteil aber profitiert und tun jetzt – nichts. Likes und weiterleiten allein genügt nicht. Likes zählen nicht, wenn es drauf ankommt. Auch wenn Politker nicht gerade als Netz-affin gelten, was machen 32 Spender für einen Eindruck? Im Grunde doch den, dass die Kitabeiträge nicht so schlimm sind, wie immer getan wird. Alles halb so wild. Klar, wenn es billiger wird, nimmt man das auch gern mit – aber da noch was „investieren“?

Online bisschen rumzumeckern ist ja so einfach und bequem. Das geht mit Handy, Tablet, Laptop ganz easy vom Sofa aus. Was das praktisch wert ist, erleben wir gerade: nichts!

Die Elternvertreter investieren ihre Freizeit und ihre Nerven, ebenso die Familien, die klagten. Andere Eltern engagieren sich z.B. In Fördervereinen. Der Rest der Brandenburger Eltern lehnt sich (scheinbar) zurück und lässt machen, kann nichtmal auf 5€ verzichten. So lange das so ist, haben wir die Kitasatzung und die Gebühren, die wir verdienen. Da hilft es auch nicht, sich online aufzuregen.

Liebe Politiker – alles richtig gemacht

Es fällt nicht leicht, das zu schreiben, aber es stimmt schon. Sie haben sich von den paar Veranstaltungen zu den Kitagebühren nicht irre machen lassen, Sie haben das über sich ergehen lassen, das Thema praktisch ausgesessen. Sollten Sie die Diskussionen im Internet verfolgt haben, so haben Sie sicher erkannt, dass das nur ein Sturm im Wasserglas ist. 32 Brandenburger nehmen die entspr. Satzungen und die Kitagebühren selbst so ernst, dass sie spendeten. 32 Spender, das sind 0,00128% der Brandburger, das ist eine Größe, auf die man wirklich keine Rücksicht nehmen muss.

OK, es gab jetzt ein paar Protestwähler – aber bei den nächsten Kommunalwahlen wird das alles vergessen sein. Die Eltern, die jetzt online ein wenig rummotzten, haben dann zum größten Teil keine Kinder mehr in der Kita. Die „neuen“ Eltern kennen es dann nicht anders und zahlen einfach. Die regen sich höchstens online ein wenig auf – aber das ist dann auch nur ein Sturm im Wasserglas.