schlauchlos Radfahren – Trick fürs Reifenaufziehen

…klingt für einige vielleicht seltsam, funktioniert aber – und ist eigentlich schon ein alter Hut: schlauchlos Radfahren. Es gibt das UST (universal System tubeless) und tubeless ready. Bei UST hat die Felge bzw. das Felgenhorn eine bestimmte (genormte) Form, der entsprechende Reifen ebenfalls. Die Montage ist – lt. Bekannten die dieses System nutzen – recht kräftezehrend und unterwegs mit Notwerkezug kaum zu bewerkstelligen. Weitaus verbreiteter  – und auch von mir genutzt – ist Tubeless Ready.

Hier verwendet man im Grunde die normale Felge, evtl vorhandene Bohrungen in der Felge für die Speichennippel werden mittels selbstklebenden Felgenband abgedichtet, in die Bohrung für das Schlauchventil schraubt man einfach ein entsprechendes Ventil ohne Schlauch. Als Mantel bieten die Hersteller „tubeless ready“ – Reifen an, die sind kaum teurer, als die normalen Mäntel. Evtl. tut es sogar ein normaler Mantel – denn bei dieser schlauchlos-Variante verwendet man Dichtmilch. Ca. 60 ml davon vor der Montage der zweiten Reifenwand in den Reifen geben (oder anschließend durch das herausgeschraubte Ventil einfüllen) Luft aufpumpen, Rad etwas drehen und schütteln – fertig.

schlauchlos Radfahren - dichtmilch_1
So sieht das ganze dann nach ein paar Wochen aus, Dichtmilch noch vorhanden, Felgen etwas dreckig – aber das Foto entstand auch nur nebenbei. 😉
Das Problem

Nun, ganz so einfach ist es leider nicht. Bei meinem ersten Versuch klappte es zwar reibungslos – aber beim 2. Reifen dann nicht mehr. Beim schlauchlos Radfahren gibt es keine Probleme. Schwierig ist aber das Aufziehen oder besser das dicht-bekommen der Reifen. Man muss erst mal schnell genug Druck aufbauen, dass der Reifen richtig auf die Felge rutscht. Lt. einiger Videos, vor allem der Hersteller, klappt das ganz einfach mittels Standpumpe – bei mir nicht mal mit Kompressor – außer beim 1. Versuch. Da hatte ich den Reifen aber schon monatelang mit Schlauch benutzt, wahrscheinlich war das der Grund; er war praktisch schon „in Form“ – die Reifen, mit denen es nicht mehr so einfach funktionierte, kamen frisch aus der Verpackung, ich verwende die, die keinen Draht im Wulst haben sondern Kevlar und deshalb für Transport/Verkauf gefaltet werden (und leichter sind u.ä.). Was also tun?

Meine Lösung

Ich habe seitdem gute Erfahrungen mit folgender Methode: Der tubeless-ready-Reifen wird zunächst ganz normal mit Schlauch montiert und richtig aufgepumpt. Anschließend wird der Schlauch demontiert, dabei gehe ich so zu Werke, dass ich nur eine Seitenwand des Reifens demontiere, die 2. Reifenwand sollte schön stramm an der Felge bleiben. Anschließend das Schlauchlos-Ventil einschrauben, Dichtmilch in den Reifen und den Reifen wieder komplett montieren. Da die eine Reifenwand immer noch an der Felge sitzt kann man jetzt wesentlich besser Luft aufpumpen – auch hier aber besser einen Kompressor verwenden oder zur Tankstelle fahren.

warum schlauchlos Radfahren?

Vielleicht ein wenig viel Aufwand – für mich überwiegen mittlerweile aber die Vorteile beim schlauchlos Radfahren. Seit ich schlauchlos fahren, hatte ich keinen Platten mehr – vorher kam das mehrfach im Jahr vor. Einmal über einen Akazienast, oder an einer Brombeerhecke vorbei – und schon war die Luft oft raus. Zu schnell über eine Kante – egal ob Wurzel oder Stein – und nicht selten wurde dabei ein Schlauch zwischen Mantel und Felge so gequetscht, dass Löcher entstanden.

Dies fällt nun komplett weg – kein Schlauch da, der gequetscht werden kann. Und Löcher durch Dornen oder Reißzwecken? – werden sofort durch die Dichtmilch abgedichtet. Der Druckverlust bei 1 Schaden ist im Grund nicht wahrnehmbar. Bei größeren Löchern sieht man evtl direkt etwas Dichtmilch austreten ansonsten sieht man am Reifen evtl nur eine kleine Blase oder einen kleinen feuchten Fleck. Mein letzter Reifen wies ca. 20 Durchstiche auf, als er ausgetauscht wurde. Allesamt wurden sie abgedichtet. Dabei geht natürlich immer etwas von der Dichtflüssigkeit verloren – gelegentliches Nachfüllen oder Kontrolle, wie viel noch drin ist, kann also nicht schaden. Wenn es im Reifen „poltert“ denn hat sich die Dichtmilch (oft an einem Leck) etwas verfestigt, es bildet sich ein schwammartiges Gebilde, das oft  irgendwann abfällt und diese Geräusche verursacht.

dichtmilch_auto
verhärtete Dichtmilch eines dt. PKW-Herstellers
dichtmilch_rad
verhärtete Dichtmilch für’s Rad

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Allheilmittel ist das natürlich nicht. Wird der Reifen großflächig aufgerissen oder die Felge stark verbogen, kann auch die Dichtmilch nichts mehr abdichten – in dem Fall einfach wieder einen Schlauch montieren. Übrigens muss es nicht immer die spezielle Dichtmilch für Fahrräder sein. Ein Bekannter verwendet recht erfolgreich das Dichtmittel, dass statt Reserverad in seinem Auto verwendet wird – also das, das die Werkstatt austauscht, nicht das aktuell neue. Man kann diese Flüssigkeit natürlich auch in Schläuche füllen – sofern das Ventil rausschraubbar ist.

2 Klicks für mehr Sicherheit: der 1. Klick aktiviert die Buttons (schon dabei werden Daten übertragen) der 2. Klick ermöglicht das Empfehlen, Twittern usw.

Über dischue

"Chef" dieses Blog-chens hier und momentan fast einziger Verfasser der Artikel auf diesen Seiten, fleißiger Internetnutzer und für technische Spielereien aller Art zu haben... ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.