Versäumnisse?

Turbulente Zeiten, die wir gerade erleben. Und meiner Meinung nach werden die Versäumnisse der letzten Jahre jetzt (auch) besonders deutlich. Klar, hinterher kann man immer meckern – aber viele Dinge sind seit langem bekannt – es hat sich nur kaum etwas geändert.

Ich will und hier nicht über die Gefahr von Corona oder die getroffenen Maßnahmen spekulieren, das steht mir nicht zu. Ich bin der Meinung, dass man meinen Job auch nach dem Lesen dutzender Facebook-Einträge oder dem Sehen ebenso vieler Youtube-Videos nicht wirklich versteht. Warum soll das bei Virologen und Epidemiologen anders sein?

Aber zum Thema der Versäumnisse – was haben wir denn da?

Plötzlich ist gefühlt das halbe Land im Homeoffice, auch ich habe gelegentlich die Möglichkeit, ständig macht es aber bei mir keinen Sinn. Ich kann nur froh sein, dass es bei uns immerhin einen DSL- Anbieter gibt, der tatsächlich mehr als 6 Mbit/s liefern kann. Es gibt immer noch genug Gegenden in Deutschland, wo technisch gar keine schnellere Geschwindigkeit möglich ist. Das Problem ist seit Jahren bekannt: beim flächendeckenden Breitbandausbau belegt Deutschland einen der letzten Plätze in Europa. Wenn dann ein Kind im „Homeschooling“ auch noch ins Internet muss, geht manchmal nicht mehr viel…

Und damit sind wir schon hier: die Versäumnisse im Bildungswesen. Die IT-Ausstattung scheint ja doch ein wenig mau zu sein. Ich glaube nicht, dass online-Unterricht die Lösung aller Probleme wäre. In der jetzigen Situation wäre es aber eine Möglichkeit, die schulpflichtigen Kinder zu beschäftigen. Zudem kann man sie so von den im Home-Office arbeitenden Eltern „fernzuhalten“. Spätestens, wenn mehrere schulpflichtige Kinder im Haushalt an einem online-Unterricht teilnehmen würden, stößt man wieder an Einschränkungen. Wieder geht es um die verfügbare Bandbreite. Zudem bräuchte wohl jedes Kind ein entsprechendes Endgerät wie PC oder Tablet benötigen würde.

Trotzdem wäre eine Art Schichtbetrieb oder überhaupt eine Form von Unterricht immer noch besser und einfacher zu gewährleisten, als dieses lange „Garnichts-Tun“ in den vergangenen Wochen.

Abgesehen von solchen eher technischen Dingen wären zudem kleinere Klassen nicht nur für den Lernerfolg der Schüler besser, sondern würden auch für weniger potentielle Ansteckungsmöglichkeiten sorgen. Im Grunde alles nicht neu…

Apropos gar nichts tun: was machen eigentlich die Lehrer, die gerade keinen Unterricht geben? Sind die auf eine Art Kurzarbeit? Ist eine ehrliche Frage, ich weiß es halt nicht.

In meiner Idealvorstellung arbeiten die jetzt alle daran, dass die Eltern alle nötigen Informationen erhalten – sofern die Schule selber aktuelle Infos hat. Es geht ja damit los, dass die Vorbereitungen auf eine wie auch immer geartete Einschulung für das kommende Schuljahr laufen. Die Bestätigungen an die Eltern sind raus, eigentlich sollte es demnächst entsprechende Elternversammlungen geben. Diese wurden abgesagt, soweit, so ungut. Es gibt bereits Termine für alternative, kleinere Versammlungen, gut. Aktuelle Infos auf der Webseite der Schule? Es gibt da was zu Corona, Hygienemaßnahmen u.ä. – aber Infos für die künftigen Schulkinder?

Es gibt eine Liste an Arbeitsmaterialen für die 1. Klasse – da steht aber Schuljahr 2019/20 drüber. Gut möglich, dass das noch aktuell ist – ist es das? Kann man da nicht wenigstens das Schuljahr ändern oder drüberschreiben „weiterhin gültig“ dass man sich wenigstens ein wenig vorbereiten kann. Zumindest würde man sich dann wohl etwas besser fühlen… Vielleicht Kleinkram – gehört aber auch auf die Liste der Versäumnisse.

Und wenn wir schon bei Kindern sind: in den Kitas sieht es nicht viel besser aus – zumindest, was den Informationsfluss betrifft. So soll es zwar eine Betreuung geben, wie die aber genau aussehen soll, weiß scheinbar auch noch niemand. Die Nerven der Eltern liegen auch hier blank. Das liegt zwar wohl auch daran, dass man über alle möglichen Dinge spekuliert von denen man noch gar nicht weiß, ob es so kommt. Das ist aber der allgemeinen Situation geschuldet. Nichts genaues weiß man nicht und das, was man erfährt, ist widersprüchlich und ändert sich im Stundentakt. Bekannt ist, dass die Kitas in Altlandsberg eh aus allen Nähten platzen und Altlandsberg – wie ganz Brandenburg – einen ziemlich miesen Betreuungsschlüssel hat. Daher dürften Hygieneregeln, Abstand oder eine andere Aufteilung der Gruppen äußerst schwierig sein.

Und während ich das hier schreibe erreichen mich dann ein paar Infos zu unserer Kita. Die bisherigen Notbetreuungskinder werden demnach weiterhin von den anderen Kindern getrennt. Es gibt jetzt jede Gruppe doppelt: einmal mit Notbetreuungskindern, einmal mit den andern Kindern. Es sind separate Eingänge zu nutzen. Und die Öffnungszeiten werden geändert. Ab 2. Juni 2020 hat unsere Kita von 7 bis 15 Uhr auf. Schnell mal nachgerechnet: das sind genau 8 Stunden. Ein Regelarbeitstag hat ungefähr 8 Arbeitsstunden und 45 Minuten Pause wenn ich mal von mir ausgehe. Dazu kommt bei vielen noch der Arbeitsweg.

Ok, ein Elternteil bringt das Kind weg, der oder die andere holt es ab. Da geht aber bestimmt nicht bei allen Familien. Blöde Situation. Zumal die derzeitigen Lockerungen in Ihrer Vielfalt undSchnelligkeit kaum noch zu durchschauen sind. Jetzt dürfen sich also 2 Familien treffen, größere Feiern sind auch wieder erlaubt – und in der Kita werden jetzt die Kinder wieder getrennt, die am Vortag zusammen gespielt haben oder es am Nachmittag tun werden? Oder die die gemeinsame Tanzschule besuchen oder sich sonst wo getroffen haben? Das Ganze wird immer schwerer zu verstehen und damit auch immer schwerer vermittelbar.

Soweit, so lokal.

Arbeit? Die einen haben keine Einkommen mehr, die anderen sind auf Kurzarbeit 0 zu Haus und bekommen trotzdem Geld. Wieder andere manchen angeblich Kurzarbeit, arbeiten aber weiterhin. Da jetzt immer(?) ordentlich gereinigt wird, sollen sie z.B. in 6 Stunden das schaffen, was früher in 8 Stunden geschafft werden sollte. Die Zeit, die der Reinigungstrupp benötigt, muss wohl rausgearbeitet werden. Plötzlich sind Dinge Pflicht, die vorher noch verboten oder zumindest nicht gern gesehen waren. Hieß es früher: immer schön in den Stammsitz kommen, Auto nicht mit nach Hause nehmen, so heißt es jetzt manchmal das Gegenteil.

Veranstaltungen aller Art wurden abgesagt – jeder kann wohl selbst genug Beispiele dafür nennen.

Plötzlich bekommen manche Arbeitgeber mit, dass Großraumbüros doch nicht so ideal sind. Ganze Etagen stehen schließlich leer, wenn nur 1 Person infiziert ist. Und ein ganzes Land merkt, dass die Vorräte für Mundschutz nur wenige Tage reichen. Pech, wenn man sich auf globale Lieferketten verläßt. Bisher war Deutschland wohl eher Gewinner der Globalisierung. Absatzmärkte weltweit, billig im Ausland produzieren lassen –> preiswerte/billige Waren für Käufer). Jetzt zeigt sich recht schnell, was passiert, wenn man von einem Anbieter bzw einem Land geradezu abhängig ist.

Über dischue

"Chef" dieses Blog-chens hier und momentan fast einziger Verfasser der Artikel auf diesen Seiten, fleißiger Internetnutzer und für technische Spielereien aller Art zu haben... ;-)

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