Kleingedrucktes in epost und DE-Mail…

Spätestens seit der Frauen-Fußball-WM wird der ePost-Brief der Deutschen Post massiv beworben. Demnächst folgt von der deutschen Telekom und anderen Unternehmen die DE-Mail.

Beiden gemein ist, dass sie (angeblich) sehr sicher und kundenfreundlich sind und eine sichere, offizielle Kommunikation ermöglichen. Dafür wurde extra ein Gesetz erlassen, das DE-Mail-Gesetz (welches auch für epost gilt). Die Deutsche Post möchte mit Ihrem Angebot wohl die (angeblich?) weg brechenden Umsätze bei der Briefpost kompensieren. Ich gebe zu, dass ich da ein gebranntes Kind bin: Vor ca. 10 Jahren hat die Post ihre eingene Email eingeführt – auch unter dem Namen epost. Vom Versprechen einer lebenslangen email-Adresse blieb nicht viel übrig, die Post stellte diesen Service nach recht kurzer Zeit ein und verwies auf Lycos – die dann auch den Email-Dienst einstellten.

Nun soll alles besser werden. Wie oben angedeutet wäre das Besondere an ePost und DE-Mail, dass die darüber empfangene und verschickten eMails rechtlich verbindlich sind – also ähnlich einem „echten“ Brief. In einem ersten Reflex wollte ich mich vor einigen Monaten sofort bei epost (wieder) anmelden. Nach der Lektüre der AGB und einiger Infos aus der c’t habe ich das dann erstmal gelassen. Im Grunde haben ePost und DE-Mil momentan keine Vorteile für mich. Die Werbesprüche sind wie so oft nicht oder nur halb wahr. Im Internet einkaufen kann ich auch ohne DE-Mail und Co – seit Jahren. Meine Identität sicherstellen/beweisen? – kann man zur Not per Post-Identverfahren – wie oft muß man das? Den Nachweis der richtigen Steuerdaten kann man online per Elster-Zertifikat erledigen. Wozu also ePost? Hinzu kommen (für mich) eher abschreckende Punkte:

Ein Zugriff auf ePost ist nur per Browser möglich, nicht mittels eMail-Programmen wie Thunderbird oder Outlook. Versenden und/oder Empfangen von diesen speziellen Mails wird wahrscheinlich kostenpflichtig. Hier haben sich die Infos über die letzten Monate etwas geändert, ein endgültiges Preismodell steht auch noch nicht fest. Es sind jedoch Preise ab 0,50 € bis zu mehreren Euros im Gespräch – ja nach Art und/oder Größe der Mail. Zustellungsmitteilungen kosten Extra – ähnlich einem Einschreiben mit Rückantwort.

Sowohl auf Sendeseite als auch auf Empfangsseite werden die Mails (sofern nicht direkt vom Absender verschlüsselt) automatisch im Klartext gescannt (Absender –> Provider des Absenders scannt –> verschlüsselte Übertragung –> Provider des Empfängers entschlüsselt und scannt –> Empfänger).  Vom Prinzip keine großes Ding – machen eigentlich alle Mail-Provider um Spam und Viren zu verhindern. Hier bei ePost/DE-Mail geht es aber unter Umständen um behördliche Angelegenheiten und nicht um Urlaubsgrüße. Weiteres Manko – aber der Sicherheit geschuldet: die De-Mail oder ePost-Adresse darf nur für Kommunikation zwischen ePost/DE-Mail verwendet werden. Kurze eine Mail an omatrude@provider.de sind nicht möglich. Es ist also mindestens 1 weiteres Email-Konto nötig. Hinzu kommen bestimmte Bedingungen – so hieß es zumindest vor Monaten noch bei ePost, dass man das Postfach täglich kontrollieren soll da im Postfach gelandete Mails automatisch als zugestellt gewertet werden – was wichtig für die Einhaltung bestimmter Fristen sein kann. Die c’t hatte in einer älteren Ausgabe darauf hingewiesen, dass sich die Beweislast umdreht – der Empfänger müsse nachweisen, dass er KEINE Mail erhalten hat.

Einziger (für mich) positiver Effekt wäre die Möglichkeit einer sicheren Dokumentenablage. Man kann evtl. Daten online ablegen, dort (ePost + DE-Mail) sollen sie besonders geschützt sein – im Vergleich zu anderen normalen Anbietern. Ob und was das kostet, ist aber noch unklar. Andererseits: ich kann auch bei Google, Sky-Drive, Dropbox oder in der Telekom-Cloud Daten ablegen. Damit keiner etwas damit anfangen kann, kann ich sie Verschlüsseln (PGP, Truecrypt). Zur Sicherheit lege ich sie bei mehreren der genannten Anbieter ab – und kostenlos ist das eh noch. Für das bischen „offizielle“ oder amtliche Post benötige ich jedenfalls so etwas nicht. Bei Firmen und Behörden kann es anders aussehen, wenn ein Preisvorteil gegenüber der herkömmlichen Post bleibt.

 

2 Klicks für mehr Sicherheit: der 1. Klick aktiviert die Buttons (schon dabei werden Daten übertragen) der 2. Klick ermöglicht das Empfehlen, Twittern usw.

Über dischue

"Chef" dieses Blog-chens hier und momentan fast einziger Verfasser der Artikel auf diesen Seiten, fleißiger Internetnutzer und für technische Spielereien aller Art zu haben... ;-)

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