Der hohe Preis der kostenlosen Apps

Das kostenlose Apps nicht (oft) aus purer Freundlichkeit kostenlos sind, dürfte sich herumgesprochen haben. Oft wird der Preis dafür in Form mehr oder weniger persönlicher Daten bezahlt. Gegen ein eingeblendetes Werbebanner habe ich im Prinzip auch nichts einzuwenden. Die ct von heise-Verlag hat sich nun (Ausgabe 7/2012 ab S.114) der Sache mal etwas genauer angenommen und doch relativ erstaunliches herausgefunden.  Dass Messenger wie WhatsApp Zugriff auf die Telefondaten haben, ist einerseits praktisch, da man nicht erst mühsam per Spitznamen o.ä. nach einem Kontakt im WhatsApp-Netzwerk suchen muss. Aber warum werden gleich die Daten aller Kontakte an den Server übertragen – incl. Postanschrift u.ä. – auch von Kontakten aus dem Telefonbuch, die diesen Dienst nicht nutzen? WhatsApp fragt wenigsten noch nach – ob es Zugriff bekommt, von „an den Server senden“ steht da nichts – andere Apps fragen überhaupt nicht. Unter iOS und Android (von Symbian ist ja mangels Interesse kaum mehr die Rede in der Öffentlichkeit) ist es Apps möglich, zu ermitteln, welche anderen Apps installiert sind, welche Apps wie oft nutzen, welche Webseiten aufgesucht wurden, wie (iPhone) der Jailbreak-Status des Gerätes ist, Versionsnummer des Betriebssystems, Telefon-Modell oder wo sich der Nutzer aufhält. Teile davon oder alles wird an den Server des jeweiligen Dienstes übermittelt. Dabei sind die Daten nicht weitestgehend anonymisiert – im Gegenteil: da auf Smartphones vieles über spezielle Apps erfolgt, ist eine Erkennung mittels Cookies (und damit zufälliger ID) nicht wirklich möglich. Die Apps greifen deshalb oft auf die eindeutige Geräte zu, beim iPhone oft auch auf den Geräte-Namen (oft „Hansis iPhone o.ä.)

Mag bei manchen Apps noch logisch erscheinen, wenn sie Zugriff auf bestimmte Daten verlangen (GPS-Daten dürften für ein Navi recht wichtig sein, ebenso für eine App, die freie Parkplätze oder günstige Tankstellen in der Nähe sucht), so fragt die ct meiner Meinung nach zu Recht, warum z.B. Angry Birds Funktionen enthält, die auf das Adressbuch zugreifen können. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass diese Funktionen auch genutzt werden. Ene lt. ct beleibte Taschnlampen-App nimmt aber z.B. Kontakt mit 5 Werbenetzen auf und übertägt so einiges von dem eben genannten. Das dabei die Zugriffe auf solche Daten ebenso wie das Versenden derselben ohne Nachfrage sondern still und heimlich im Hintergrund erfolgen, ist je leider nichts Neues mehr.

Sicher ist mit dem automatischen Zugriff auf bestimmte Daten oft ein gewisser Komfort verknüpft. Oft gehen die Zugriffe auf solche Daten wohl aber weiter, als für die eigentlich Funktion nötig ist. Hinzu kommt, das Apps, die (versteckt) im Hintergrund überwachen, welche anderen Apps installiert und genutzt werden natürlich Arbeitsspeicher belegen und Energie benötigen. Insgesamt ist die ganze Materie nicht ganz einfach und auch der o.g. ct-Artikel wartet noch mit etliche Details auf und benennt mehrere Apps, die mehr machen, als man animmt. Für jemanden, der sich ein wenig näher damit beschäftigen will, würde ich diesen Artikel (und den darauf folgenden) empfehlen. Letztlich kommt man vielleicht „günstiger“, wenn man statt der kostenlosen Apps die kostenpflichtige Version bezieht  -aber das kann wohl niemand Gaantieren.

2 Klicks für mehr Sicherheit: der 1. Klick aktiviert die Buttons (schon dabei werden Daten übertragen) der 2. Klick ermöglicht das Empfehlen, Twittern usw.

Über dischue

„Chef“ dieses Blog-chens hier und momentan fast einziger Verfasser der Artikel auf diesen Seiten, fleißiger Internetnutzer und für technische Spielereien aller Art zu haben… ;-)

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