Microsoft lernt es einfach nicht – oder das Windows 10 mobile Update-Desaster

Es gibt genug Windows- und Microsoft Blogs, die sich mehr oder weniger professionell mit der Materie auseinandersetzen, die Tausende Besucher haben – und nun komme ich auf dieser kleinen Seite auch noch mit einem Beitrag… Egal, ich bin halt gerade in Schreib-Laune – und auch etwas genervt von dem, was MS da abzieht.

Worum geht es? Seit dem 17.03.2016 wird die neueste Version von Windows Phone offiziell verteilt. Sie heißt nur nicht mehr Windows Phone, sondern Windows 10 mobile. Die Teckis und Fans – wozu ich mich fast auch zähle – stürzten sich sofort drauf, genau hier beginnt aber mein Problem: ich bekomme für mein altes Lumia 920 nämlich kein Upgrade. Ich gebe zu, dass man bei einem mittlerweile über 3 Jahre altem Gerät auch nicht unbedingt ein Update erwarten kann – allerdings ist Microsoft vor 4 Jahren genau mit dem Anspruch angetreten, alles besser zu machen, als andere Firmen. Es sollte lange Updates für alle möglichen Geräte geben, und die Geräte sollten lange unterstützt werden. Die MS- bzw. Windows-Fanboys machten sich damals über Android lustig, wo viele Geräte schon wenige Monate nach dem Verkaufsstart kein Android-Update mehr bekommen.

(Wer übrigens wissen will, ob sein Gerät ein Upgrade bekommt, muss den Upgrade-Advisor aus dem Store installieren.)

Im Nachhinein muß ich aber sagen, dass es bei Microsoft eigentlich noch viel schlimmer ist (obwohl ich Android nicht wirklich kenne…) Microsoft schafft es nicht, vernünftig zu kommunizieren – oder es steckt sogar Methode dahinter. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Windows Phone mittlerweile anderen Systemen, speziell iOS, mindestens ebenbürtig ist (in der Version 8.1, die ich kenne). Das Problem scheint mir mittlerweile eben die Zuverlässigkeit von Microsoft zu sein.

Schon die Käufer von Geräten mit Windows Phone 7 guckten in die Röhre, als WP 8 heraus kam. Hatte MS zunächst noch Hoffnungen geweckt, hieß es alsbald: sorry, die Hardware läßt ein Update einfach nicht zu. Klar kann das passieren – aber weiß man das wirklich nicht früher? WP 8 kam schon später als erwartet und war auch nur halbfertig. Aus Zeitgründen hat man einige Funktionen nicht mehr integrieren können. Wer nun erwartet hat, dass diese Funktionen schnell nachgerüstet werden, sah sich getäuscht. Es dauerte – wenn ich mich recht erinnere – über 1 Jahr, bis größere(?) Dinge nachgerüstet wurden (Hintergrundbild, VPN, Radio, Infocenter u.ä.). Wenn man bedenkt, dass Windows Phone sozusagen ein Nachzügler auf dem Markt der mobilen OS ist, dann dauerte jede kleine Veränderung oder Verbesserung gefühlt eine Ewigkeit, manche kleinen Macken existieren bis heute. MS ließ sich viel Zeit, Zeit, die man eigentlich nicht hatte. Firmen, die eine frühe Version des Systems auf ihre Eignung im Business-Einsatz bzw das Zusammenspiel mit der Firmen-IT  testeten, wendeten sich enttäuscht wieder ab. Trotz des Slogans „perfect for Business“ fehlte einfach zu viel. Vielleicht wären die aktuellen Geräte (mit WP 8.1 oder W10m) durchaus geeignet – aber viele Firmen setzten mittlerweile auf iOS oder Android und man hat besseres zu tun, als ständig neue Smartphones zu testen.

In der Zwischenzeit kam Microsoft mit dem runderneuerten Onedrive (früher Skydrive) um die Ecke. 25 GB kostenloser Speicher, mit Empfehlungen und eingeschaltete Foto-Upload am Windows Phone konnte man diesen (z.T. zeitlich begrenzt) noch mehr als verdoppeln. Aber auch da machte MS – meiner Meinung nach – einiges falsch. Zwar waren 25 GB Cloud-Speicher erstmal eine Kampfansage in Richtung Google/Android – allerdings ruderte man irgendwann wieder zurück. Plötzlich gab es nur noch 15 GB und selbst die Leute, die schon 25 GB oder mehr hatten, wurden auf 15 GB zurückgestuft, es sei denn, man meldete sich auf einer Website an und bekundete sein Interesse, die 25 GB behalten zu wollen. Wer das nicht tat oder versäumte – dem wurde der Speicher gekürzt. Also erst Kampfansage – dann heimlicher Rückzieher. Heutzutage passiert allerdings nichts mehr heimlich, zumindest wenn man ein wenig interessiert ist, bemerkt man dank Internet, ganz schnell, was da passiert.

In der Zwischenzeit machten Probleme im Store die Runde. Speziell Apps, die während einer Aktion kostenlos erworben wurden oder wo man erst eine kostenlose Version testete und dann die Pro-Version kaufte, ließen sich nicht mehr updaten. MS schob die Schuld auf die Entwickler der App, viele User warfen den Entwicklern unlauter Absichten vor. Es war aber doch eher die Schuld von Microsoft. So macht man sich unter Entwicklern bestimmt keine Freunde…

Super Nachrichten bei Windows Phone: großartige Pläne wurden geschmiedet. Das Projekt Astoria sollte es ermöglichen, Apps von Android ohne viel Handarbeit für Windows Phone 8 umzuwandeln. Das Projekt Islandwood sollte das gleiche mit iOS-Apps ermöglichen. Beide Projekte wurden mit großem Getöse angekündigt. Die gute Nachricht: Islandwood gibt es noch, Projekt Astoria wurde sang- und klanglos eingestellt. Nun gut, kann sicher vorkommen. Microsoft ist aber nicht mal in der Lage, aus eigenen Fehlern zu lernen. Was ich weiter oben über OneDrive schrieb, hat Microsoft nämlich nochmal abgezogen, erst Ende 2015:

Nutzern  von Office 365 (quasi Office in der Cloud, kostenpflichtig) versprach man unbegrenzten Speicherplatz in der Cloud / Onedrive. Ende 2015 hieß es dann plötzlich, der kostenlose Cloudspeicher wird von 15 GB (oder 25 GB, wenn man o.g. Möglichkeit zum Behalten ursprünglichen Speicherplatzes nutzte) auf 5 GB eingeschränkt. Begründung: einige Nutzer hätten das Versprechen von unbegrenztem Speicher (im Office 365-Abo) ausgenutzt und mehrere TerraByte Speicher belegt. Stellt sich die Frage, was MS als unbegrenztem Speicher versteht? Es stellt sich weiter die Frage, warum ALLEN Nutzern der kostenlose Speicher gekürzt werden sollte, wenn einige wenige (von denen, die das kostenpflichtige Office-Abo haben) das ausnutzen? Auf dem MS-eigenen Userforum kamen über 72000 Stimmen gegen diese Kürzung zusammen. Auch hier gab es dann – für die, die schon mal mehr Speicher hatten – zumindest die Möglichkeit, sich per Mausklick den bisherigen Speicher zu sichern.

Der neue Browser Edge von MS startete ebenfalls mit großen Ankündigungen. Er sollte Erweiterungen von Googles Chrome verwenden könne u.v.m. Was war? Nichts. Edge kam mit so wenig Funktionen auf den Markt, dass sich viele wieder abwendeten. Dass sich diese User (wieder) dem praktisch schon abgekündigtem IE zuwendeten, würde ich bezweifeln. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass man sich gleiche einem Browser aus anderem Hause zuwendete. Der Ruf von Edge ist damit ruiniert – wie es eigentlich schon zu Beginn mit WP 8 geschah.

Dazwischen dann das Übliche – muss man bei MS ja eigentlich schon sagen. Termine angekündigt und nicht eingehalten u.ä. Eigentlich sollten Windows 10 und Windows 10 mobile etwa zeitgleich herauskommen, etwa Spätsommer 2015. Irgendwann war klar, dass es mit W10m da nicht klappen wird, nun war von Herbst 2015 die Rede, dann Weihnachten 2015, dann Anfang 2016. Der offizielle Rollout begann nun am 17. März 2016! Aber das Upgrade kommt nicht für alle Geräte. Viele ältere Geräte sind ausgeschlossen – was man fast noch verstehen kann – viele jüngere aber auch. Dr. Windows zitiert hier eine Statistik, die behauptete, dass ca. 50% aller Geräte vom Update auf Windows 10 mobile ausgeschlossen sind. Martin von Dr. Windows versucht an dieser Stelle eine Erklärung dafür, warum so viele Geräte ausgeschlossen sind. Er hat eigentlich einen sehr guten Draht zu Microsoft – aber an dieser Stelle kann und will ich die Erklärungen nicht glauben. Zu willkürlich scheinen die Geräte ausgewählt, die kein Upgrade bekommen. Darunter auch viele Geräte, auf denen die Preview problemlos läuft, die aber vom offiziellem Update ausgeschlossen werden. Und Martins Behauptung, dass MS nie versprochen hat, alle Geräte zu updaten, dass man nur sagte, man arbeite dran, es zu ermöglichen? Bei dieser Aufzeichnung vom Windows 10 Event Anfang 2015 wird – soweit meine Englischkenntnisse das zulassen – gesagt, dass alle Geräte, die Windows 8.1 oder Windows Phone 8.1 die Möglichkeit erhalten werden, kostenlos auf Windows 10 (mobile) upzudaten. (Ab 13 Minuten 49 s)

Dass irgendwann nicht alle neuen Funktionen mit älteren Geräten möglich sein werden, dürfte jedem klar sein – das Upgrade vielen Geräten aber komplett vorzuenthalten…. Dabei wollte MS doch alles anders machen, Geräte länger unterstützen – und wo ist man gelandet? Hier ist MS nicht besser als Android. iOS liegt hier vorn, auch 5 Jahre alte Geräte erhalten noch Updates – was nicht bedeutet, dass sie gut damit laufen, es besteht aber eben die Möglichkeit upzudaten.

Angeblich will sich MS jetzt mehr auf Business-Kunden ausrichten. Wird man diese dann genau so verschaukeln, die die Kunden aus dem Consumer-Bereich? Was sagt diese MS-typische Hin-und-Her zwischen großen Ankündigungen, Versprechen und letztlich wieder Zurückrudern über die Zuverlässigkeit von MS aus?

Eine Frage ist aber auch: sehe ich zu schwarz? Denn eigentlich ist es ja auch so: viele wissen gar nicht, welches System auf ihrem Smartphone läuft. Man hat Gerät X von Firma Y weil Freunde es empfahlen, weil es so schon goldig glänzt oder was auch immer. Und viele machen wahrscheinlich auch nie ein Update mit dem Handy und viele bekommen vom Update-Theater und den ganzen Diskussionen dazu auch nichts mit. Also alles gut? Haben doch die Recht, die immer noch sagen, bei Android sei alles viel schlimmer? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ja, es ist bei Android so, das viele Geräte u.U. schon nach wenigen Monaten kein Update mehr erhalten. Aber nahezu egal, welche Android-Version man nutzt: die Apps laufen noch und die Apps selbst erhalten Updates.  Und bei Android gibt es mehr Apps als bei Windows.

Hinzu kommt, dass mit dem Wechsel zu Windows 10 mobile auch auch etwas bei den Apps ändert. Apps unter W10m sollten Universalapps sein. Sie sollen eigentlich auch auf dem PC mit Windows 10 laufen – aber nicht unter Windows Phone 8.1. Die Frage ist also auch: welcher Entwickler pflegt seine WP 8.1 Apps weiter? Gefühlt kamen in den letzten Tagen und Wochen nur (neue)  W10m bzw. Universal-Apps heraus. Einige alte WP8.1-Apps sind hingegen schon aus dem Store verschwunden. Das bedeutet auch: von vielen (zukünftigen) Apps sind die Nutzer von nicht-updatefähigen Geräten abgeschnitten. Es ist also nicht nur das System an sich, was man nicht „erneuern“ kann – man wird demnächst auch die eine oder andere App nicht mehr nutzen können. Wenn sich die betroffenen Nutzer dann irgendwann ein neues Gerät holen – wird es wieder eins mit Windows sein?

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Über dischue

"Chef" dieses Blog-chens hier und momentan fast einziger Verfasser der Artikel auf diesen Seiten, fleißiger Internetnutzer und für technische Spielereien aller Art zu haben... ;-)

4 Gedanken zu „Microsoft lernt es einfach nicht – oder das Windows 10 mobile Update-Desaster

  1. Guter Beitrag, der die aberwitzige Microsoft-Politik bezüglich Windows mobile ins rechte Licht rückt.

    Ich bin mit meinem Lumia 1020 auch davon betroffen. Noch vor zwei Jahren ein Spitzengerät für 600 Euro, auf dem auch derzeit die Preview-Version von Windows 10 mobile zufriedenstellend läuft – nun mehr oder minder das Aus.

    Aber mir hat Microsoft – in ganz ähnlicher Weise – auch noch auf anderem Weg den Hahn abgedreht:
    Ich bin ein seltener Exot, der ein Microsoft-Handy UND einen Mac betreibt. Bislang konnte ich mit einer (von Microsoft geschriebenen und im Apple-App-Store bereitgestellten) App „Window Phone“ per USB-Kabel Fotos, Videos und Filme mit meinem Mac (iPhoto, iTunes) synchronisieren.
    Obwohl diese App von Anfang an mit vielen Mängeln behaftet war, gab es in drei Jahren nicht ein einziges Update dafür. Jetzt aber wurde die App klammheimlich und ohne Kommentar aus dem Apple-App-Store genommen und wird auch – laut Aussage von Microsoft – nicht wieder neu entwickelt.
    Auch ein Weg, um die werte Kundschaft zwangsweise zum Kauf eines iPhones oder Android-Geräts zu zwingen ….

    1. Tja, dass soll heute halt alles über die Cloud laufen, genauer MS onedrive. Vom Handy hochladen, mit Mac runterladen. Zumindest dafür sollte es für den Mac was geben. Umgekehrt gehen aber auch ciele App-Entwickler für iOS davon aus, dass man zu Hause eine Mac hat und keinen PC. Das Problem habe ich, iPhone vom Chef, zuhause PC und diverse Dinge lassen sich nur zw. iOS und Mac syncronisieren. Wenigsten kann ich das Phone ganz normal per Kabel an PC anschliessen und lokale Sicherungen erstellen. Mit einem iPhone am PC! Das geht nicht vom MS-Lumia zu MS-Windows-PC.
      Auf meinem Lumia 920 läuft mittlerweile W10 in einer Preview. Das hakt gelegentlich doch ein wenig, sieht aber wesentlich aufgeräumter aus.

  2. Schöner Beitrag. Man sollte meinen, nach Steve’s Weggang kann es nur besser werden. Aber Satya scheint den Laden auch nicht im Griff zu haben.

    Zu Google kann ich nicht sagen. Hab kein Android. Aber bei Apple läuft es derzeit auch nicht Rund. Zu viele Kleinigkeiten und Unstimmigkeiten die einen User verärgern und einem nur mit dem Kopf schütteln lassen.

    Derzeit hat man leider nur die Wahl: Pest oder Cholera oder Lebra. 🙁

    1. Sicher ist auch bei anderen nicht alles Gold was glänzt. Das darf meiner Meinung nach aber keine Entschuldigung sein. Die Kommunikation seitens MS ist oft unter aller Kanone – zumindest, wenn man später merkt, was von vielen „Versprechen“ übrig bleibt.
      Da aber auch viele Menschen andere Hobbys haben, als Tech-News zu verfolgen, bekommen viele von dem Theater nichts mit.so wie z.B. ich auch manch anderes nicht mitbekomme… 😉

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